RankBrain – Revolution in der Suchmaschinen-Welt?

von Timo Schnalzger

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18.07.2022

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Titelbild RankBrain

„Das kann ich Ihnen auch nicht sagen.“ Diesen Satz kennt jeder, der schonmal bei der Infohotline eines beliebigen Bahnunternehmens angerufen hat. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Du dem Mitarbeiter eine Frage stellst, die er nie zuvor gehört hat. Mit solchen Suchanfragen ist auch Google hin und wieder konfrontiert, kann sie jedoch in der Regel zuverlässiger beantworten als der durchschnittliche Bahnmitarbeiter. Warum? Das ist eine Frage des Brains, genauer: des RankBrains.

RankBrain – Google in der Welt der Künstlichen Intelligenz

RankBrain ist Googles derzeit wichtigster Vorstoß in das Feld der Künstlichen Intelligenz bzw. des maschinellen Lernens (machine learning). RankBrain ist, im Gegensatz zu anderen Algorithmen, nicht nur in der Lage, einen Faktor in ein Schema einzuordnen, sondern unbekannte Daten mit einer vorhandenen Datengrundlage abzugleichen und so Verbindungen herzustellen und Muster zu erkennen.

Dadurch befähigt RankBrain Google auch komplexe Suchanfragen zu verstehen, die weit über den simplen Abgleich von Keywords oder ähnlich einfache Signale hinausgehen. Doch dazu später mehr. Zunächst sehen wir uns an, wie RankBrain das schafft.

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen

Als maschinelles Lernen (machine learning) bezeichnet man den Prozess, im Zuge dessen ein System aus Beispielen lernt und diese verallgemeinern kann. Das befähigt das System dazu, aus vorhandenen Daten Zusammenhänge und Muster zu erkennen und diese bei der Bearbeitung von neuen, unbekannten Anfragen anzuwenden. 

Ob es sich beim maschinellen Lernen auch um Künstliche Intelligenz (KI bzw. AI) handelt, ist schwer zu sagen, da schon die Definition von „herkömmlicher“, also menschlicher, Intelligenz schwammig und indifferent ist und es daher fast unmöglich ist festzustellen, ob eine Maschine tatsächlich über etwas verfügt, das man als Künstliche Intelligenz bezeichnen kann.

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    So funktioniert RankBrain

    Im Gegensatz zu der Funktionsweise vieler anderer Google Algorithmen ist über die von RankBrain einiges bekannt. Google selbst hat einiges verraten. Einfach gesagt (und um es kompliziert zu sagen, fehlt mir das mathematische Verständnis): Google verwandelt Sprache in Mathematik. Genauer gesagt wandelt ein mathematisches System den Text im Suchfeld in ein Vektorensystem um und Vektoren lassen sich mathematisch verarbeiten. So kann Google einen bisher unbekannten Begriff in Relation zu bekannten Termini setzen.

    Dass dies zuverlässig funktioniert, hat Google selbst überprüft. In einem Versuch hat sich gezeigt, dass RankBrain schon zu Beginn seines Einsatzes 80 Prozent der Suchanfragen richtig zuordnen konnte. Das liegt 10 Prozent über der Erfolgsquote der menschlichen Vergleichsgruppe.

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    Wann kommt RankBrain zum Einsatz?

    Der Erfolg von RankBrain war so groß, dass es mittlerweile bei allen Suchanfragen mitläuft. Am wichtigsten ist es jedoch, wenn Nutzer Google eine Suchanfrage stellen, mit der die Suchmaschine noch nie konfrontiert wurde. Das ist jeden Tag bei ca. 15 Prozent der Suchanfragen der Fall. Will man Neues verstehen, muss man auf Bekanntes zurückgreifen. Das ist bei Google nicht anders als bei Dir und mir. Doch auch bei mehrdeutigen Begriffen oder konversationalen Suchanfragen ist RankBrain von Nutzen.

    Mehrdeutige Suchanfragen

    RankBrain kommt vor allem bei mehrdeutigen Suchanfragen zum Einsatz. Ein gutes Beispiel ist „die/der Kiwi“. Wenn Du nach dem Keyword „Kiwi“ suchst, ranken nur Treffer zu der Kiwi, also der Frucht, ganz oben. Suchst Du hingegen nach „Kiwi Neuseeland“, ranken primär Ergebnisse für die Vogelart.

    SERP für Suche "Kiwi" durch RankBrain

    Mehrdeutige Suchanfragen

    RankBrain kommt vor allem bei mehrdeutigen Suchanfragen zum Einsatz. Ein gutes Beispiel ist „die/der Kiwi“. Wenn Du nach dem Keyword „Kiwi“ suchst, ranken nur Treffer zu der Kiwi, also der Frucht, ganz oben. Suchst Du hingegen nach „Kiwi Neuseeland“, ranken primär Ergebnisse für die Vogelart.

    Auf den ersten Blick scheint das verwunderlich, kommt doch beides aus Neuseeland. RankBrain scheint jedoch in der Vergangenheit festgestellt zu haben, dass das Keyword „Kiwi Neuseeland“ vor allem Klicks auf Seiten über die Vogelart generiert, wohingegen das Keyword „Kiwi“ eher Klicks auf Seiten zur Frucht erzeugt. RankBrain hat also gelernt, welche Suchintention die meisten User haben, wenn sie das eine oder andere Keyword eingeben, und rankt dementsprechend unterschiedliche Inhalte.

    Natürlich ist RankBrain kein Hellseher und kann nicht definitiv sagen, was ein Nutzer tatsächlich sucht, wenn er „Kiwi“ googelt. Um die User nicht mit unpassenden Ergebnissen zu ärgern, bietet Google mittlerweile die Möglichkeit, sich bereits in den Suchvorschlägen genauer festzulegen. Klick ein User nun ein Keyword aus der Vorschlagsliste an, so sind die Treffer bereits vorselektiert. Google ist sich der semantischen Mehrdeutigkeit des Begriffs also bewusst!

    Suchvorschläge in Google für "Kiwi" durch RankBrain

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    Konversationale Suchanfrage und die Spracheingabe

    Auch diese Art der Suchanfrage ist eng mit RankBrain und dem semantischen Verständnis von Hummingbird verbunden. User googeln kein Keyword mehr, sondern stellen eine Frage. Insbesondere in Verbindung mit der Spracheingabe von Suchbegriffen (VoiceSearch) ist dieses Verhalten häufig zu bemerken. Wenn Menschen mit Google sprechen, scheinen sie sich mehr an die gewöhnlichen Formen der Konversation zu halten. Sie fragen also: „Wie heißt der Bürgermeister vom Wesel?“

    Für eine Suchmaschine, die lediglich die Inhalte von Webseiten mit dem eingegebenen Keyword abgleicht, ist das natürlich suboptimal. Im schlimmsten Fall sieht Google einfach nur eine verwirrende Abfolge von Wörtern. Nicht so RankBrain. Es kann die Wörter zu einer Phrase verknüpfen und so den Sinn verstehen. Das klappt zur Zeit mal besser und mal schlechter, da die Spracheingabe aber immer beliebter wird, wird diese Fähigkeit immer wichtiger.

    SERP für Suchanfrage "Geschwindigkeitshubbel" als mgangssprachliche Suche

    Umgangssprachliche Suchbegriffe

    Wie heißen diese Bodenschwellen, die mit Absicht auf dem Straßenbelag befestigt werden, damit man nicht zu schnell fährt? Geschwindigkeitshubbel? Keine Ahnung, aber Google weiß trotzdem, was Du suchst. Das ist vor allem das Verdienst von RankBrain, mit dessen Hilfe Google auch in der Lage ist, umgangssprachliche Suchbegriffe der korrekten Bezeichnung zuzuordnen.

    Was bedeutet RankBrain für die Suchmaschinenoptimierung?

    Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zweifellos festgestellt werden kann nur folgendes: die Zeit des „dummen“ Algorithmus ist vorbei und somit auch die Zeit der „dummen“ Methoden des Black Hat SEO. Heute lässt sich Google nicht mehr mit Keyword Stuffing oder einer Landingpage für jede Variation eines bestimmten Suchbegriffs täuschen.

    Dass die KI nun Userintentionen verstehen kann, bedeutet auch, dass zu den klassischen Rankingfaktoren weitere dazukommen. Diese sind jedoch in der Regel nicht allgemeiner Natur (wie etwa die Backlinks), sondern explizit auf den jeweiligen User bezogen. So ranken zum Beispiel Seiten besser, die betreffende User in der Vergangenheit schon konsultiert hat, sofern sie auch Content zu der aktuellen Suchanfrage bieten. Ferner ranken Unternehmen und Angebote mit einer hohen geographischen Nähe zum Standort des Suchenden oft besser.

    Halten wir fest: Mit der Einführung von RankBrain gibt es das Google-Ranking für ein Keyword nicht mehr. Google trackt seine User und kennt darum (zumindest teilweise) deren Vorlieben und passt das Ranking der Suchergebnisse entsprechend an.

    Wie sieht die Suchmaschinenoptimierung der Zukunft aus?

    Kann man überhaupt noch Suchmaschinenoptimierung betreiben, wenn die bisher relevanten Signale (Keywords, Backlinks und ähnliches) nichts mehr zählen, da semantische Zusammenhänge und der Inhalt an ihre Stelle treten?

    Nun, zunächst einmal ist es noch nicht so weit. RankBrain hat sich zwar als wichtiges Hilfsmittel für das Ranking der Suchergebnisse erwiesen, jedoch arbeitet der Hummingbird-Algorithmus noch immer hauptsächlich mit klassischen Faktoren wie Backlinks und Keywords. Daran wird sich auch auf absehbare Zeit nicht allzu viel ändern.

    Sollte jedoch einmal der Tag kommen, an dem die semantische Suche und nicht mehr einzelne Wörter oder Links der wichtigste Ranking Faktor für den Google Algorithmus sind, werden diejenigen dafür am besten gerüstet sein, die klar strukturierte Texte mit relevanten, userfreundlichen Inhalten bieten – also genau das, was wir heute schon für hochwertiges SEO und nachhaltige Bindung der User empfehlen.

    Insofern handelt es sich bei RankBrain aus SEO-Sicht nicht um eine Revolution, sondern um eine Normalisierung. Das, was heute noch manchmal hinter der technischen oder Keyword-Optimierung zurückstehen muss, gute Texte mit hohem Nutzen für die User, wird künftig im Mittelpunkt stehen. Insofern ist RankBrain eher eine Arbeitserleichterung für uns, da es widerstreitende Interessen der Suchmaschinenoptimierung beseitigt, indem es das Ranking optimal auf die ausrichtet, auf die auch unsere Inhalte abzielen: die User.

    Zusammenfassung: RankBrain

    RankBrain ist Googles erster Versuch mit Künstlicher Intelligenz (KI), indem es durch maschinelles Lernen dazu in der Lage ist, Zusammenhänge und Muster zu erkennen und neue Daten einzuordnen. Auf diese Weise kann Google auch unbekannte und komplexe Suchanfragen mit Suchergebnissen hoher Relevanz beantworten. Die Suchmaschinenoptimierung wird sich infolge dessen künftig noch stärker auf Inhalte fokussieren.

    Timo Schnalzger

    SEO//Content Marketing
    Timo war schon in der Schule begeistert von der Literatur. Auf der Suche nach einem Studiengang geriet er an die Germanistik. Dort entdeckte er seine Liebe zum detaillierten Arbeiten an und mit Texten. Erste Gehversuche mit kreativem Schreiben unternahm er in seiner Zeit als Mitglied der studentischen Fachschaft. Jetzt kombiniert er alle diese Interessen und Fähigkeiten bei H&W.